Der Film war für den Oscar nominiert, am Ende ging "Das weiße Band" leer aus - für Hauptdarsteller Burghart Klaußner waren die Tage in Hollywood dennoch eine Offenbarung. Wann erlebt man es schon, dass sich Meryl Streep für einen begeistert?
Der Winter ist fast vorbei, man mag den Mantel schon nicht mehr sehen - und auch nicht den Film, der seit Wochen die Kinos füllt. Zeit für was Neues schienen Kinobesucher in Deutschland und den USA zu denken - und schauten "Alice im Wunderland" statt, wie bisher, "Avatar".
Christoph Waltz hat den Oscar. Und einen Schock. Ist das wirklich ihm passiert? Dem stillen Charaktermimen? Begegnung mit einem Ausgezeichneten.
Schreck für Millionen New Yorker: Im Streit um einen Anteil an den Kabelgebühren hatte Disney seinen Sender WABC abgeschaltet - die Übertragung der Oscar-Verleihung drohte auszufallen.
Ein Österreicher, drei starke Frauen und ein buntes 3-D-Spektakel, das vor der Realität eines sehr realen Kriegsdramas verblasste: Die etwas gehetzt wirkende 82. Oscarverleihung hatte wenig Glanz und Glamour - aber viele erfreuliche Preis-Entscheidungen zu bieten.
Jetzt ist er ein Goldjunge: Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. James Cameron dagegen unterlag seiner Ex-Frau Kathryn Bigelow - ihr Kriegsdrama "The Hurt Locker" gewann die wichtigen Kategorien, das Science-Fiction-Spektakel "Avatar" nur Nebenpreise.
Mit rekordträchtigen 13 Produktionen und Co-Produktionen geht Deutschland ins Oscar-Rennen. Die größten Chancen hat aber nicht "Das weiße Band" - sondern der Wiener Christoph Waltz für seine Nazi-Rolle in "Inglourious Basterds". Die deutsche Delegation in Hollywood feierte ihn schon vorher.
Es ist eine Ehrung, die kein Hollywood-Star gerne entgegennimmt: Die Goldene Himbeere, jener Alternativpreis, der im Vorfeld der Oscar-Verleihung die schlechtesten filmischen Leistungen des Jahres kürt. Diesmal gehört Sandra Bullock zu den Preisträgern - und sie holte sich die Trophäe sogar ab.
Ein Testosteron-Film, der von einer Frau gemacht wurde, und eine leichtfüßige Hauptdarstellerin, die 300 Pfund wiegt: Sonntagnacht werden die Oscars vergeben. Die SPIEGEL-ONLINE-Filmkritiker nennen ihre persönlichen Favoriten für den wichtigsten Kinopreis der Welt.
Keine Chance, für niemanden: Der israelische Oscar-Kandidat "Ajami" zeigt den brutalen Bandenkrieg arabischer Gangster in Tel Aviv. Der Film wirkt ungewöhnlich glaubwürdig - wohl vor allem, weil die Hauptrollen mit Laien besetzt sind, die selbst aus diesem düsteren Milieu stammen.
Wächst im Kino zusammen, was in der Realität nicht zusammenwachsen will? Der Deutsche Jo Baier drehte mit "Henri 4" ein international besetztes Epos über Frankreichs humanistischen König. Der Film soll beweisen, wie stark gesamteuropäisches Kino sein kann - und scheitert an diesem Wille zur Größe.
Er war die deutsche Oscar-Überraschung des vergangenen Jahres: Jochen Alexander Freydank gewann den Preis für den besten Kurzfilm. Jetzt ist er wieder in Hollywood, als Zaungast. Sein Leben hat sich verändert seit der großen Nacht von 2009 - doch anders, als er es gedacht hätte.
In Grant Heslovs Kriegskomödie "Männer, die auf Ziegen starren" lernt ein Journalist eine geheime Spezialeinheit der US-Armee kennen: Elite-Hippies, die ihre Gegner mit Gedankenkraft statt Granaten zur Strecke bringen. Das klingt lustiger, als es ist.
Geschichten von ausgebrannten Musikern werden im Kino gern erzählt und rühren immer wieder: In Scott Coopers Regie-Debüt "Crazy Heart" spielt Jeff Bridges einen versoffenen Countrystar auf der Kippe - und könnte damit endlich den Oscar gewinnen.
Außenminister Guido Westerwelle hat die Festnahme des iranischen Regisseurs Jafar Panahi veurteilt. Er appelliere zudem an die Verantwortlichen in Teheran, alles dafür zu tun, dass Panahi "unverzüglich" freikomme. Der Oppositionsanhänger Panahi war zu Wochenbeginn in Teheran verhaftet worden.
Die Kerle sind verrückt nach ihr - und sterben ihr doch unterm Kochlöffel weg: Matti Geschonnecks Film "Boxhagener Platz" erzählt mit leiser Komik vom Liebesleben einer Großmutter. Was als Ostberliner Milieustudie anfängt, entwickelt sich bald zum Abgesang auf die Arbeiterklasse.
Blauäugige Aktion: Filmproduzent Nicolas Chartier geht mit dem Kriegsdrama "Hurt Locker" ins Oscar-Rennen, der Konkurrent "Avatar" nervte ihn. Um ihn auszustechen, schrieb er an die Academy-Mitglieder - mit unangenehmen Folgen.
Mädchen mit Mission: In Tim Burtons Version von "Alice im Wunderland" jagt die Heldin nicht nur einem Kaninchen, sondern auch ihrem Schicksal hinterher. Das Update tut dem Kinderbuchklassiker mehr als gut - und hat dazu noch einen tollen Johnny Depp zu bieten.
Bei der Berlinale sollte der renommierte Regisseur Jafar Panahi über den Iranischen Film diskutieren, doch das Regime ließ ihn nicht ausreisen. Jetzt wurde der oppositionelle Filmemacher festgenommen - der Teheraner Staatsanwalt wirft ihm diffus "einige Verbrechen" vor.
Als Mega-Müßiggänger Dude in "The Big Lebowski" genießt er Kultstatus, jetzt ist Jeff Bridges als versoffener Country-Musiker in "Crazy Heart" für einen Oscar nominiert. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der Star über Kaputtsein als Karriereoption - und die Last, Sohn eines berühmten Vaters zu sein.
